Climbing Trips, nur für Bergvagabunden -
bereits der Titel läßt aufhorchen! Roberto Iacopelli legt hier keinen klassischen Kletterführer vor, und mit Sicherheit
kein Rezeptbuch für Gelegenheitskletterer.
Nein, er beschreibt vielmehr herausragende Routen, die er im Laufe seiner Ausbildung zum Bergführer hat klettern dürfen, quasi
ein Potpourri seiner Laufbahnentwicklung. Daher mag auch die breite geografische Streuung der Routen herrühren - Dolomiten, Sarca Tal,
Apuaner Alpen, Gran Sasso, Wilder Kaiser, Karwendel, Wetterstein, Zentral- und Westalpen. Dass hierunter nicht nur Kletterrouten
sind, sondern auch Kombiniertes und Eistouren - wen wunderts.
Iacopelli bietet seine Touren in diesem Buch auch ganz offen als Führungstouren an, und das erscheint mir auch gut so. Ein
Großteil, gerade der Dolomitenklettereien ist alles andere als leichte Kost! Der Autor weist selbst darauf hin,
dass er den Bewertungskriterien Ettore Castiglionis folgt. Die Schwierigkeitsangaben in den Topos sprechen dann auch oftmals
eine deutliche Sprache.
Für alle Leser aber gilt: Das Format des Führers (DIN A4), die liebevolle Aufmachung, die exzellenten Topos sowie die Reichhaltigkeit
an neuen Ideen macht diese Climbing Trips zur idealen Lektüre für winterliche Schmökerstunden, zum Träumen und Planen ins
nächste Jahr hinein... Wer sich hierbei in der Geographie nicht auskennt, dem wird der Führer allein nicht viel bringen, das Wälzen von Sekundärliteratur
wird zur (bildenden) Pflicht.
Und nochmals: Wer nicht eigenverantwortlich und überdurchschnittlich gut im alpinen Gelände zu Hause ist, der sollte die Finger
weg lassen von Iacopellis Vorschlägen - oder besser sich seiner Führung anvertrauen. Das allerdings könnte zu wahren Genußstunden
ausarten! Die Qualität der Routen jedenfalls ist mit Sicherheit herausragend, da kann auch der Satz auf der Rückseite des Buches
- '...zwischen drittem und sechstem Schmierigkeitsgrad ...' - nur ein witziger Einfall der Redaktion sein, oder aber schlicht
ein Druckfehler.
(PN)